DJ


Auf dieser Seite entsteht eine kleine Biografie über meine Arbeit/en als DJ.
Anlass dafür ist eigentlich, dass ich was über mich der Centalstation schreiben sollte, weil ich zusammen mit dem Kollegen Kemal beim Mellow Weekend (80s bis heute) mal wieder vor einer grösseren tanzwütigen Meute DJ machen werde.
Also öfters mal reinschauen, denn die Seite hier entsteht in lockerer Folge, wie es mir gerade einfällt und wie ich Zeit und Lust habe.
Ein wenig „weisste noch früher“ und nicht in dem Sinne von „früher war alles besser„.

Begonnen hatte mein DJ-ing 1972 mehr oder weniger durch Zufall – 18 jährig in Berlin – einem Club namens Key Club am oberen Ku-Damm-Ende.
Der damaligen DJane Natascha wurde beim auflegen schlecht, ich stand gerade daneben, und sie fragte mich ob ich mal kurz einspringen könnte. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nie DJ gemacht. Vor mir tanzten erwartungsvoll gut 400 Leute und schauten zu mir hoch.
Ach du meine Güte dachte ich, der Kopf wurde knallrot, wußte erst nicht was ich auflegen sollte und die Hände begannen zu zittern. Den Tonarm hatte ich erst garnicht in die Rille setzen können, weil der Daumen vor lauter Aufregung nicht mehr kontrollierbar war.
Irgendwann fing ich mich doch wieder und alles ging wie von selbst. Natascha kam auch nicht mehr zurück und ich musste den Abend allein zu Ende bringen.
Dem Besitzer vom Key Club gefiel meine Musik so gut, dass er mich sofort engagierte und künftig die Schichten mit Natascha teilte. Mein größter Kritiker war seinerzeit Christian Graf vom RIAS Berlin, der ständig was rumzumaulen hatte. Tage später gab er auf und wir wurden Freunde…

Nach der Zeit im Key Club gings nach einem kurzen Gastspiel im legendären Sounds in Berlin, im Tolstefanz, in der Dampfmaschine, später Maschine – ebenfalls in Berlin – weiter. Fast hätte ich in einen der Clubs von Rolf Eden aufgelegt. Die waren mir aber zu kommerziell und stark auf Berlin-Touristen ausgelegt.

1974 ging es von Berlin nach Seeheim, wo mich Uli Vertheim im Laternchen fragte, ob ich Lust hätte im Hippo in Darmstadt aufzulegen. Er fand meinen Berliner Dialekt gut und sollte mit diesem zwischen den Liedern moderieren, da im Hippo Moderation seinerzeit normal, aber nicht so meine Welt war.

1975 warb mich Tili Wenger aus der Goldenen Krone nebenan ab, in der ich 11 Jahre bis 1986 blieb. Legendär das Video aus der Krone 1981 mit meinem Verlegenheitsspruch „Es hängt ab wovon es abhängt“ auf eine völlig unerwartete nicht abgesprochene Frage der Interviewerin Inge Hammelmann.

1984 – 1986 war ich auch noch parallel in der Tangente in Frankfurt tätig, wo sich meine Wege mit Michael Münzing und Sven Väth kreuzten.

Als ich dann 1987 zum ersten Mal Vater wurde, habe ich nur noch sporadisch DJ in Clubs gemacht und bei Modenschauen vom Modeteam Korrekt einige Jahre die Musik gemixt. Ausserdem ging das Interesse mehr in Richtung Foto und Video. 1996 kam noch das seinerzeit neue Medium Internet dazu. Meine ersten Webseiten entstanden und der erste Jeans-Shop (thx Thomas Garbas) ging online.

Für Thomas und Detlef habe ich dann einige Zeit DJ auf After-Work-Partys im Ring (heute Cubana) gemacht. In Griesheim hatte es mir dann irgendwann die Linie Neun angetan. Für mich wurde die „kleine Centralstation“ zum Wohnzimmer und legte dort von 2002 – 2009 sporadisch bei After-Work-Partys, montags beim Soundcocktail oder bei den Depeche Mode Partys auf. Zwischendurch ging die Depeche Mode Party zwei Jahre in die WeststadtBar nach Darmstadt, dann aber wieder zurück in die Linie Neun, weil in der WeststadtBar keine regelmässingen Termine möglich waren. Nach vier Jahren DM-Parties habe ich die Partyreihe an Andy Motke übergeben.

Aber auch die technische Entwicklung in all den Jahren war sehr interessant. Gestartet habe ich natürlich ganz klassisch mit Vinyl. Viele Abende wurden live auf Cassette mitgeschnitten – von denen ich heute noch einige Hundert habe. Die besten davon könnten mal digitalisiert werden. Mit einem Revox-Tonbandgerät wurden die ersten Remixe per Hand geschnitten oder Live-Konzerte aus dem Fernsehen aufgenommen, um sie dann beim DJing zu spielen. Ein paar Jahre später kam dann die CD. Heute reicht ein Notebook um tausende von Titeln per mp3-Datei abzuspielen. Die klassischen Plattenkisten haben fast ausgedient. Kann mich noch gut an die Zeiten beim Schallplatten-Knie in Wiesbaden erinnern, als sich alle DJs der Region dort immer wöchentlich trafen, der Verkäufer vorwiegend die bis dahin unbekannten Importe allen laut vorspielte und die DJs riefen „nehme ich!“. Die Importe waren natürlich teurer als das normale Programm und so kamen schnell einige hundert Mark zusammen, die man pro Woche ausgegeben hat. Ab und zu gings auch zum ersten SATURN in Köln oder zum Eisele nach Offenbach.

Und trotz der technischen Entwicklung, der immer wieder neuen Hits und tollen Songs fragt man sich einiges Tages – vielleicht auch weil man inzwischen über 50 ist:

Muss ich mir das alles noch geben?
Eine Lesebrille wird zwischen 40 und 50 irgendwann nötig, weil man die Titel auf den CDs nicht mehr richtig lesen kann oder die Dateien auf dem Notbook nicht mehr richtig erkennt. Bis 4 Uhr oder länger durchzustehen wird auch immer schwieriger und wenn man Feierabend hat am frühen Morgen, dann tun einem erstmal die Ohren weh von lauten Kopfhörern, Monitorboxen und Subwoofern. Nicht mehr ganz nüchtern muss man sich dann von jemanden nach Hause fahren lassen und ans Einschlafen ist auch nicht gleich zu denken, weil einem der ganze Abend nochmals audiovisuell durch den Kopf geht.

Aber das ist so wie in allen anderen Berufen auch. Irgendwann kommen gute junge Leute (DJs) nach und übernehmen das Ruder…


 

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